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Lebenshilfe Mülheim feiert „50 Jahre Erich Schmidt“ – eine Geschichte voller Lebensmut

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21. Apr 2022

„Vorstand, Ehrenamt, jetzt Aufsichtsrat – ich habe in den letzten 50 Jahren alles an Ämtern und Tätigkeiten durchlaufen, was bei der Lebenshilfe Mülheim gerade so anstand“, schildert der 89-jährige sein Wirken für die Lebenshilfe Mülheim bescheiden und betont, „dass er eigentlich gar nicht so gerne im Rampenlicht stehen möchte.“

Erich Schmidts Lebensgeschichte gehört aber erzählt, denn sie ist einmalig und hat Vorbildcharakter. Durch sein aktives und umtriebiges Wesen ist er nicht nur ein Lebenshilfe-Urgestein: Wo, wann und wie es ging, hat er sich für die Teilhabe und Förderung von Menschen mit Behinderungen eingesetzt.
1932 geboren, muss er während des Krieges erleben, „dass Menschen mit Behinderungen einfach so verschwanden und nie zurückkehrten“, erzählt der dreifache Familienvater. Als einer seiner Söhne 1961 geboren wurde und man feststellte, dass dieser mit einer geistigen Behinderung leben wird und keine Beschulung an einer Regelschule erhalten würde, machte die Familie Schmidt diverse Erfahrungen mit dem bestehenden System und Ärzten. Wie so viele betroffene Angehörige. „Unser Sohn wurde von seiner Entwicklung her von dem Arzt völlig falsch eingeschätzt – was hat der für Augen gemacht, als er ihn später erlebt hat – da brauche ich dann auch keinen Doktor für!“ so Schmidt mit einem Augenzwinkern.

Lebenshilfe bringt Seelenfrieden und Lebensmut
Sein Sohn wird schließlich in der neu geschaffenen Tagesbildungsstätte am Priestershof aufgenommen, in der seine Frau zunächst im Elternbeirat aktiv ist. Erich Schmidt, von Beruf Elektromeister, unterstützt beim Umbau der Schule und löst seine Frau wegen der drei Kinder später im Elternbeirat ab. Die damalige Leitung der Einrichtung empfiehlt der Familie, der Lebenshilfe Mülheim beizutreten. Das war 1972 – vor genau 50 Jahren – und es brachte für die Lebenshilfe einen großen Stein ins Rollen. Und für den Saarner brachte die Mitgliedschaft und Tätigkeit Seelenfrieden: „Der erste Kontakt mit der Lebenshilfe Mülheim hat uns viel Lebensmut gegeben, weil wir nicht die Einzigen waren, die ein Kind mit einer geistigen Behinderung haben. Es hat mich schon damals tief beeindruckt, wie die Eltern sich gegenseitig geholfen und unterstützt haben“, fasst Schmidt zusammen und kramt seine Mitgliedskarte heraus auf der die Nr. 55 und der ehemalige Vereinsname „Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind, Ortsvereinigung Mülheim an der Ruhr, e. V.“ steht.

Ein Herzensprojekt: die Wohnstätte „Haus am Springweg“
Für Erich Schmidt bleibt es nicht beim gemeinsamen Austausch mit anderen Eltern: Die Wohnstätte „Haus am Springweg“, die dieses Jahr 25-jähriges Jubiläum feiert, ist eines seiner Projekte. 120 Interessenten gibt es am Anfang – Erwachsene mit einer Behinderung, die in der Wohnstätte ein selbstbestimmteres Leben und eine bedarfsgerechte Förderung erhalten sollen. Etwas, das Eltern im ursprünglichen Zuhause irgendwann nicht mehr abbilden können. „Jeder hat ein eigenes Zimmer, man teilt sich ein Badezimmer, man kocht gemeinsam und schaut abends zusammen Fernsehen oder kniffelt – eben das, was alle Menschen gerne machen und brauchen“, beschreibt Schmidt das Ursprungskonzept. Aber der Anfang gestaltet sich steinig, denn der Landschaftsverband schmetterte die Pläne erstmal ab. Dann kam das Projekt „Wohnstätte“ doch in die Gänge und es gab grünes Licht. Ursprünglich war die Wohnstätte für 22 Wohnende gedacht, daraus wurden dann 35 Einheiten. Die Markusgemeinde stellte der Lebenshilfe ein Grundstück zur Verfügung, einen ehemaligen Bolzplatz, Schmidt handelt die Verträge mit der Kirche bei der Stadt aus und führt die Gespräche mit den Architekten. Als er 1992 durch eine Herzerkrankung in den Vorruhestand gehen muss („Heutzutage würde man einen Stent kriegen und einfach weiterarbeiten“), wirkt er in der insgesamt zweijährigen Planungs- und Errichtungshase auch am Bau mit und verdrahtet die Telefonanlage im Keller: „Am liebsten hätte ich mitgemauert“, gibt er zu.

Einsatz für Werkstatt, Schule und Integration in den ersten Arbeitsmarkt
Egal, worum es in Mülheim in punkto Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung ging, Schmidt hatte „seine Finger im Spiel“: Er kämpfte darum, dass die Fliedner-Stiftung eine Werkstatt baute. Als bewusst parteiloser setzte er sich im Speldorfer CDU-Verwaltungsrat dafür ein, ein Grundstück für eine Schule zu finden: Die heutige Rembergschule für geistig behinderte Kinder.
Auch beruflich lebte Schmidt seine Haltung. Nachdem er lange bei AEG angestellt war, zog es ihn 1971 nach Essen an ein Umschulungscenter für Menschen mit Behinderungen und sechs Jahre später zum Nordrheinwestfälischen Berufsförderungswerk nach Oberhausen. „Diese letzten 20 Jahre waren meine schönste Zeit als Ausbilder für Menschen mit Beeinträchtigungen. Sie haben geweint, als sie plötzlich einen Gesellenbrief oder Facharbeiterbrief in den Händen hielten“, das hat mich tief gerührt, schwärmt er. „Und einmal haben meine Umschüler hinterm Vorhang ein Aufnahmegerät aufgestellt und mich aufgenommen. Als sie es anschließend abgespielt haben, war ich echt fertig, wie oft ich „watt“ und „datt“ sage. Da wurde mir bewusst, wie sehr ich aus dem Kohlenpott komme“, gibt der Sohn eines Bergmanns, Kellners und Humoristen, von dem er wohl einiges vererbt bekommen hat, zum Besten.

Lebenshilfe-Bilanz nach 50 Jahren
Auf die Frage, was die Lebenshilfe Mülheim für den langjährigen Camper an der Ruhr genau ist, sagt Erich Schmidt: „Eine wertvolle und notwendige Einrichtung, auf die man bauen kann – Mitarbeitende und ein Vorstand, mit denen man an einem gemeinsamen Ziel arbeiten kann. Aber es gibt auch noch viel zu tun!“ verweist Schmidt auf das Bundesteilhabegesetz. Und auch die Wohnstätte, in der sein Sohn seit 25 Jahren wohnt, was anfänglich gar nicht geplant war, lobt er: „Ich bin immer wieder erstaunt, was die Mitarbeiter in der Wohnstätte alles so leisten, vor allem in Zeiten von Corona. Sie machen alles mit, fördern die Wohnenden individuell, arbeiten mit Angehörigen zusammen und sind freundlich. Wer so ist, muss schon eine besondere Einstellung zu Menschen mit Behinderungen haben.“

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